Ratgeber · vorsorge

Berufsunfähigkeit: Warum Ihr Einkommen Ihr größtes Vermögen ist

Veröffentlicht am 13. Juli 2026 · MPEV Redaktion

Ein Rechenbeispiel als Richtwert: Wer 30 Jahre lang netto 2.000 Euro im Monat verdient, erwirtschaftet über 700.000 Euro. Das Auto ist versichert, die Wohnung auch — die Quelle dieses Vermögens, die eigene Arbeitskraft, bleibt aber oft ungeschützt.

Was der Staat leistet — und was nicht

Die gesetzliche Absicherung nach dem ASVG heißt je nach Berufsgruppe Berufsunfähigkeits- oder Invaliditätspension. Die Hürden sind hoch: Es braucht ausreichend Versicherungsmonate, und die Erwerbsminderung muss dauerhaft sein. Für Personen unter 50 wurde die befristete Pension weitgehend durch Rehabilitationsgeld ersetzt — mit dem Ziel der Rückkehr in den Arbeitsmarkt, nicht der langfristigen Einkommenssicherung.

Dazu kommt der sogenannte Verweisungsgedanke: Wer keinen Berufsschutz hat, kann in der Regel auf andere zumutbare Tätigkeiten am Arbeitsmarkt verwiesen werden — auch wenn diese schlechter bezahlt sind. Und selbst wer eine Pension zugesprochen bekommt, muss mit deutlichen Einbußen gegenüber dem letzten Aktiveinkommen rechnen. Wie groß Ihre persönliche Lücke ausfallen kann, zeigt unser Pensionslücken-Rechner.

Private Absicherung: die Lücke schließen

Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt in der Regel eine vereinbarte Monatsrente, wenn Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf zu einem vertraglich definierten Grad — üblich sind 50 Prozent — voraussichtlich dauerhaft nicht mehr ausüben können. Der entscheidende Unterschied zum staatlichen System: Gute Tarife verzichten auf die abstrakte Verweisung auf andere Berufe.

Als grober Richtwert gilt: Die versicherte Rente sollte etwa 60 bis 80 Prozent des Nettoeinkommens abdecken. Wichtige Vertragsmerkmale sind eine Laufzeit bis zum geplanten Pensionsantritt, eine Nachversicherungsgarantie für Gehaltssprünge oder Familienzuwachs und der Verzicht des Versicherers auf sein ordentliches Kündigungsrecht.

Gesundheitsfragen: der heikelste Teil des Antrags

Beim Antrag fragt der Versicherer Vorerkrankungen, Behandlungen und oft auch Psychotherapien der letzten Jahre ab. Hier entscheidet sich, ob der Vertrag im Ernstfall hält:

  • Vollständig antworten: Verschwiegene Diagnosen können den Versicherungsschutz gefährden — auch Jahre später.
  • Unterlagen anfordern: Krankenakte und e-card-Auszug helfen, nichts zu vergessen.
  • Anonyme Risikovoranfrage: Über eine Beratung lässt sich vorab klären, wie Versicherer eine Vorerkrankung einstufen — ohne Ablehnungsvermerk.

Bei komplexen Fällen, etwa nach abgelehnten Anträgen, kann zusätzlich rechtliche Beratung sinnvoll sein — dieser Beitrag ersetzt sie nicht.

Je früher, desto günstiger

Die Prämie richtet sich vor allem nach Eintrittsalter, Beruf und Gesundheitszustand. Wer mit Mitte 20 abschließt, zahlt in der Regel spürbar weniger als mit Anfang 40 — und sichert sich den Gesundheitszustand von heute. Jede spätere Diagnose kann Zuschläge, Ausschlüsse oder eine Ablehnung bedeuten.

Welche Variante des Einkommensschutzes zu Ihrer Situation passt — von der klassischen BU bis zu Alternativen bei körperlich fordernden Berufen — klären Sie am besten im persönlichen Gespräch. Einen Überblick über die Möglichkeiten finden Sie auf unserer Seite zu Leben & Unfall.

Häufige Fragen

Wer hat in Österreich Anspruch auf Berufsunfähigkeitspension?

Nach ASVG in der Regel nur, wer ausreichend Versicherungsmonate hat und dauerhaft berufsunfähig ist. Unter 50 gilt meist der strenge Maßstab der Invalidität — statt einer Pension gibt es oft nur befristetes Rehabilitationsgeld. Die Details prüft die Pensionsversicherung im Einzelfall.

Muss ich bei den Gesundheitsfragen wirklich alles angeben?

Ja. Wer Vorerkrankungen verschweigt, riskiert, dass der Versicherer im Leistungsfall wegen Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht kürzt oder ablehnt. Fordern Sie im Zweifel Ihre Krankenakte an und beantworten Sie die Fragen vollständig und wahrheitsgemäß.

Ab welchem Alter lohnt sich eine BU-Absicherung?

Je früher, desto besser: Junge, gesunde Antragsteller zahlen in der Regel deutlich niedrigere Prämien und kommen meist ohne Ausschlüsse durch die Gesundheitsprüfung. Wer wartet, riskiert höhere Beiträge oder eine Ablehnung wegen zwischenzeitlicher Diagnosen.