Was ist Selbstbehalt? Einfach erklärt
Der Selbstbehalt ist jener Teil eines Schadens, den Sie selbst tragen — erst darüber hinaus zahlt die Versicherung. Er senkt im Gegenzug die Prämie.
Der Selbstbehalt (auch Franchise oder Eigenanteil genannt) ist der vertraglich festgelegte Betrag, den Sie bei jedem Schaden selbst übernehmen. Er kann als fixer Betrag, als Prozentsatz des Schadens oder als Kombination aus beidem vereinbart sein. Die Logik dahinter: Wer kleine Schäden selbst trägt, verursacht dem Versicherer weniger Abwicklungsaufwand — und bekommt dafür eine spürbar günstigere Prämie.
Ein Beispiel aus dem Alltag
Ein Autofahrer hat in seiner Kaskoversicherung 350 Euro Selbstbehalt vereinbart. Beim Ausparken streift er eine Säule, die Reparatur kostet 900 Euro. Die Versicherung überweist 550 Euro, die restlichen 350 Euro zahlt er selbst. Wäre der Schaden unter 350 Euro geblieben, hätte sich die Meldung gar nicht gelohnt.
Warum das für Sie wichtig ist
Der Selbstbehalt ist einer der wirksamsten Hebel, um Prämie und Schutz ins Gleichgewicht zu bringen. Ein zu niedriger Selbstbehalt macht den Vertrag unnötig teuer, ein zu hoher kann im Schadensfall schmerzen. Überlegen Sie ehrlich: Welchen Betrag könnten Sie jederzeit aus eigener Tasche stemmen? Genau dort liegt Ihr sinnvoller Selbstbehalt. Und vergleichen Sie beim Tarifvergleich nie nur die Prämien — zwei gleich teure Angebote können sich beim Eigenanteil deutlich unterscheiden.
Häufige Fragen
Lohnt sich ein hoher Selbstbehalt?
Oft ja — die Prämienersparnis kann über die Jahre den gelegentlichen Eigenanteil übersteigen. Voraussetzung: Sie können den Selbstbehalt im Ernstfall problemlos aus der Reserve zahlen, ohne in Bedrängnis zu kommen.
Gilt der Selbstbehalt pro Jahr oder pro Schadensfall?
In der Regel pro Schadensfall — bei drei Schäden im Jahr zahlen Sie ihn also dreimal. Manche Verträge, etwa in der Krankenversicherung, kennen aber auch Jahres-Selbstbehalte. Der Blick in die Polizze schafft Klarheit.
Wo steht in meiner Polizze, wie hoch der Selbstbehalt ist?
Der Selbstbehalt steht bei der jeweiligen Deckung im Leistungsteil der Polizze, meist als Betrag je Schadensfall oder als Prozentsatz mit Mindest- und Höchstwert. In einem Vertrag können mehrere unterschiedliche Selbstbehalte nebeneinander stehen, etwa je nach Sparte oder Schadensart. Steht bei einer Deckung nichts, gelten die Angaben der beigelegten Versicherungsbedingungen.
Kann ich den Selbstbehalt bei einem laufenden Vertrag noch ändern?
Eine Änderung ist bei den meisten Verträgen möglich, aber nicht zu jedem beliebigen Zeitpunkt. Versicherer setzen sie üblicherweise zur nächsten Hauptfälligkeit um und berechnen die Prämie neu. Wollen Sie den Selbstbehalt senken, kann der Versicherer die Zustimmung an Bedingungen knüpfen oder ablehnen. Die Anfrage läuft formlos über Ihren Vermittler, verbindlich wird sie erst mit der schriftlichen Bestätigung.
Zahle ich den Selbstbehalt auch, wenn ein anderer den Schaden verursacht hat?
Wenn ein Dritter den Schaden verschuldet hat und dessen Haftpflichtversicherung zahlt, fällt kein Selbstbehalt an, denn der gilt nur für Leistungen aus Ihrem eigenen Vertrag. Wickeln Sie den Schaden dagegen über Ihre eigene Kasko ab, weil der Verursacher unbekannt ist oder die Klärung dauert, wird der vereinbarte Selbstbehalt abgezogen. Er kann zurückkommen, wenn Ihr Versicherer beim Gegner Regress nimmt.
Verwandte Begriffe
Die Polizze ist die österreichische Bezeichnung für den Versicherungsschein — die Urkunde, die den Inhalt Ihres Versicherungsvertrags dokumentiert.
DeckungssummeDie Deckungssumme ist der Höchstbetrag, den die Versicherung je Schadensfall oder Versicherungsperiode maximal leistet — die Obergrenze Ihres Schutzes.
Bonus-Malus-SystemDas Bonus-Malus-System stuft die Prämie der Kfz-Haftpflichtversicherung nach dem Schadensverlauf ein: schadenfreie Jahre senken sie, Schäden erhöhen sie.